reflections

Tagebucheintrag

Liebes kleines Tagebuch,

ich sitze hier, und fühle mich gefangen, aber unendlich frei. 

Vermeintlich gefangen, in einer Welt, die ich mir selbst ausgesucht habe, und deshalb frei, in der Wahl des Weges, welche meinen Willen, meine angepeilte Richtung widerspiegelt. 

Manchmal, so sagt man, sollte man in sich kehren, und den Abstand zur Gesellschaftswelt genießen. Gerade befinde ich mich in solch einem Zustand der Schwerelosigkeit. Ohne Lasten, einfach mal davonfliehen, ehe es dann bald wieder losgeht, der reguläre Alltag, der so schnell begonnen hat und mich vollständig einholt. 

Er ist so unendlich hart, aber er macht mich glücklich, füllt mein Leben mit Sinn. Lange habe ich keinen Rückfall in Selbsthass mehr verlebt, mich widerspenstigen Gedanken hingegeben. Was ehemals Leere, Stille und Einsamkeit war, bedeutet für mich eine Auszeit von der unendlichen Lebendigkeit, die sonst an den Tag gelegt wird. 

 

Der Winter kommt anmarschiert, und schon wieder ist beinahe ein Jahr vergangen, die Zeit verläuft wie im Fluge. Barcelona ist das Stichwort, was im Vorjahr mein Leben geprägt hat. Seither ist so vieles passiert, und ich danke meinem Schicksal für die Geschehenisse, die aus mir den Menschen gemacht haben, der ich jetzt bin. 

Einsamkeit ist das eine, Autonomie ist die Gegenseite. Ich habe realisiert, dass das Leben das ist, was ich daraus mache.

Der Mensch hat einen freien Willen, der durch eine Vielzahl an Faktoren geprägt wird. Endlich habe auch ich meinen freien Willen wiedergefunden, ein Teil meines Ichs, auf dem Weg zur Ich-findung. 

Wie lange werde ich wohl noch suchen müssen, um vollständig ein mit mir identischer Mensch zu sein? 

Wird dies überhaupt vom Leben verlangt? 

Ich genieße weiterhin die Stille. Die Kälte, die vom Boden meinen Körper emporsteigt, die aber Lebendigkeit versinnbildlicht, die starke Frau, die ich immer sein wollte, zu der mich die Sehnsucht des perfekten Ichs hingetrieben hat.

Gibt es ein perfektes Ich? Perfektion in Person? Ich bin dagegen, jedoch sehne ich mich innerlich danach. Vielleicht sollte ich aber erstmal die Gedanken ruhen lassen. 

Jan will aufgeweckt werden, um sich für die Nachtarbeit fertigzumachen. Ich werde dies gleich tun, in vielen Gedanken an ihn. In Dankbarkeit an das Leben, dass er mir meinen momentanen Lebensabschnitt so sehr versüßt.

19.10.09 23:05

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