reflections

Braunschweig und mein Schatz /Erinnerungen die I.

Wer weiß schon genau, warum üppige Felder mit kleinwachsenen Büschen und Sträuchern umrandet werden?

Und ist es ein Eingriff in die Natur, die Altersfürsorge zu etablieren, und somit das Lebensende zu versüßen, während unsere Vorfahren, in die Jahre gekommen, in der Immunabwehr geschwächt, einer Krankheit erlagen oder an Reaktionsfähigkeit gemindert, auf Nahrungssuche verunglückten?

Welcher Wert ist der Erhaltung der Natur zuzuordnen, und wo befinden sich die Grenzlinien, wie jene bestehend aus Sträuchern die Ackerfelder umringen?

 

Ist das Menschsein ebenso relativ, und habe ich auf jedem Fleck der Erde das Recht, der Mensch zu sein, der ich bin und mich selbstsicher zu fühlen, entgegen dem herrschenden Durschschnittsprofil und Werte der jeweiligen Regionen, oder zwingt mich die Relativität, mich wie ein Wechselwarmer, mich dem Durchschnitt anzunähern und meine Maske gegen eine andere auszutauschen?

 

Auf dieser kurzen Reise wurden mir Impressionen zuteil, die meine Gedanken ins Flattern beförderten.

Kleinigkeiten, wie Gefühle und Eindrücke, die sich im Klitzekleinen Raum der Seele abspielen, als auch an deren Entstehungsort – der Natur, die fremde Stadt – all das altbekannte und unbekannte, das erforschungswert ist.

 

Ziel der Reise war eine nahegelegene Stadt, wo mein Freund eine Ferienakademie besucht. Knappe 4 Stunden Aufenthalt planten wir für mich ein, die schneller vorübergingen als eine ins Weltall verschwindende Rakete. Jedoch auch das ist relativ, so wie mir völlig verschiede Typen von Menschen ins Auge fielen, die durch das hektische Großstadtleben mit seinen Reizüberflutungen von jeher verdeckt wurden. Ich war dankbar für die willkommene Abwechslung in meiner inneren Ruhe, die ich jenseits von Hamburg erlebte.

 

Ein hartnäckiger Verfolger hatte sich bereits an meinem Abfahrtsbahnhof, nachdem ich ihm Reiseauskünfte gab, fest an mich geklettet, und zwar bis zur 2. Umstiegsstation Hannover, was mich zeitweilig beängstigte. Dessen Auswirkung auf meine Gefühle erblich jedoch, als ich wir im Anschlusszug auf ein Dutzend junger Kerle mit lustig beschrifteten einheitlichen grünen Polohemden, die sich als Junggesellenabschiedsgesellschaft entpuppten, stieß, die munter fröhlich, und leider auch lautstark Lieder in der frühen Morgenstund trällerten. Sowohl zum Weinen als auch zum Lachen war mir zumute, brachte aber nichts weiteres hervor als ein müdes Lächeln, während sich eine große Zufriedenheit einstellte, als der Gesang zu verebben schien.

 

Sowohl vom Verfolger als auch von der lustigen Gruppe durfte ich mich verabschieden als es in den nächsten Zug ging. Dieser sollte mich nun zu meinem langersehnten Treffen mit meinem Schatz bringen.

 

Es ist erstaunlich, inwiefern sich die Mentalitäten der beiden nur kurz entfernten Städte unterscheiden. Ich schließe nicht aus, dass meine eigene Unsicherheit mich in dieser Sache täuscht, jedoch erschien mir Braunschweig wie eine neue Klimazone, im Bezug auf mich, mit gewissen Diskrepanzen im Zwischenmenschlichen.

Allein der Unterschied der Menschen, die auf der offenen Straße anzutreffen sind, schienen mir gewaltig groß.

28.10.08 17:28

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