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Perspektivenlose Scheinwelt

Die Befreiung aus dem Plantagehäuschen kann man sich vorgaukeln, oder wirklich vollbringen.

Ich habe letzteres gewählt, aber ersteres fälschlicherweise durchgeführt.

In dem Moment, als ich wählte, erschien mir eine regenbogenfarbene Welt voll von Sonnenlicht vor Augen, so verlockend und vielversprechend, dass es sich, alles auf mich nehmend, als erstrebenswert darstellte. Also ging ich einen Schritt Richtung Grenze, und dann noch einen - voller heißer Erwartungen, jedoch ohne sichtlichen Erfolg, bis ich gegen eine Wand stieß, von der ich bis zu meinem Ausgangspunkt zurückprallte. Voller Wunden lag ich da, unfähig - zumindest für den Moment - auch nur einen Schritt weiterhin zu tätigen.

Der Regenbogen leuchtete in meinen Imaginationen hell wie eh und je. Und ich wollte Besitz ergreifen. Schnuppern, Regenbogenluft spüren. Der Wunsch, mit jedem Gedankengang an ihn, brannte immer auflodernder in meinem Herzen. Ich musste mir einen Weg suchen.

Plantagehäuschen umschirmen eine eigene Welt, die die Wärme der Außenwelt aufsaugt, die GEfahren und Unbeständigkeiten jedoch abprellt. Solange ich mich darin befand, war ich mir meinem Schutz sicher, wusste, nie von Wind und Wetter jemals in Mitleidenschaft gezogen werden zu können. Ich sog das Sonnenlicht, das sich durch die klaren Wände hineinbahnte, in mich auf.

Und plötzlich wusste ich, was zu tun war. Ich baute mir meine eigene Regenbogenwelt zusammen. Die Erkenntnis fällt schwer. Ich lebte in meiner eigens erbauten Scheinwelt und bildete mir dahinter die schillernde Natur ein.

Werde ich noch einmal die Kraft haben, aufzustehen und weitere nötige Schritte zu gehen?

11.2.08 22:45, kommentieren



tagebucheintrag - 22.02.08

Einsamkeit und Stille sollten einem Menschen, der lang genug für die Autonomie und selbstverantwortung gekämpft hat, kein Begriff sein.

Zumindest sollte er dagegen gewappnet sein. Die hürden und Stolpersteine bereitwillig auf sich nehmen, und sein leben gestalterisch selber leben.

Ich jedoch erfahre von tag zu tag neue niederschläge, die auf meinen körper herabdonnern, wie tausende herabfallende kieselsteine, mir mein Leib und Herz zerfetzend.

Einsamkeit als permanente Gegebenheit ist nichts absonderliches, jedoch nicht Einsamkeit, in die man von der Menge hineingeschmissen wird. Sowie ich keinen Hass ertragen kann, meine Familie ebenso wenig.

Aus Kindheitserinnerungen kenne ich die Meine nur als eine rechthaberische, unresonable. wurde permanent eingeschüchtert und heruntergemacht, sodass ich irgendwann nach Ausflucht suchte, zunächst im Alkohol und durchzechte partynächte, danach in die mischform von magersucht und bulimie.

Mein auszug in meine eigene wohnung ermöglichte mir, mich von diesen schatten zu distanzieren und mein leben auszubalancieren, sodass nun alles ziemlich im gleichgewicht sich befindet.

Meine Mutter ändert sich nicht. Mein vater ebenso wenig.

aber abartigste jedoch - ich liebe sie, und merke, dass diese liebe eben nicht erwidert wird. weder von meiner mutter, noch von meinem vater. beide sind voll getränkt von ihrem gegenseitigen hass und schieben mich als produkt der unendlichen sünde hin und her, lassen ihren hass aufeinander an mir aus. und ich? ...

Noch nie habe ich mich als eine volle wertvolle Gestalt gesehen. Mein spiegelbild hatte für mich immer etwas dunkles, abartiges und komisches, eben nicht normal. ich fühlte mich seit jeher unfähig, mich selbst richtig einzuschätzen, lebte in einer scheinwelt, in der ich mich insgeheim dazu verdammt fühlte, aus der welt zu verschwinden, da ich die harmonie gefährden würde.

und nun??

bin ich psychisch ein wrack und weiß weder ein noch aus.

die stille und die einsamkeit überfällt mich, nach einem streit am telefon mit meiner mutter, erneut, in meinen eigenen 4 wänden.

geographisch auszubrechen bringt wohl nicht das versprochene frei sein, sondern nur distanz. und so bin ich immer noch gefangen in der familientragödie und in meinem abartigen selbstbild.

22.2.08 20:55, kommentieren



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