reflections

tagebucheintrag - 22.02.08

Einsamkeit und Stille sollten einem Menschen, der lang genug für die Autonomie und selbstverantwortung gekämpft hat, kein Begriff sein.

Zumindest sollte er dagegen gewappnet sein. Die hürden und Stolpersteine bereitwillig auf sich nehmen, und sein leben gestalterisch selber leben.

Ich jedoch erfahre von tag zu tag neue niederschläge, die auf meinen körper herabdonnern, wie tausende herabfallende kieselsteine, mir mein Leib und Herz zerfetzend.

Einsamkeit als permanente Gegebenheit ist nichts absonderliches, jedoch nicht Einsamkeit, in die man von der Menge hineingeschmissen wird. Sowie ich keinen Hass ertragen kann, meine Familie ebenso wenig.

Aus Kindheitserinnerungen kenne ich die Meine nur als eine rechthaberische, unresonable. wurde permanent eingeschüchtert und heruntergemacht, sodass ich irgendwann nach Ausflucht suchte, zunächst im Alkohol und durchzechte partynächte, danach in die mischform von magersucht und bulimie.

Mein auszug in meine eigene wohnung ermöglichte mir, mich von diesen schatten zu distanzieren und mein leben auszubalancieren, sodass nun alles ziemlich im gleichgewicht sich befindet.

Meine Mutter ändert sich nicht. Mein vater ebenso wenig.

aber abartigste jedoch - ich liebe sie, und merke, dass diese liebe eben nicht erwidert wird. weder von meiner mutter, noch von meinem vater. beide sind voll getränkt von ihrem gegenseitigen hass und schieben mich als produkt der unendlichen sünde hin und her, lassen ihren hass aufeinander an mir aus. und ich? ...

Noch nie habe ich mich als eine volle wertvolle Gestalt gesehen. Mein spiegelbild hatte für mich immer etwas dunkles, abartiges und komisches, eben nicht normal. ich fühlte mich seit jeher unfähig, mich selbst richtig einzuschätzen, lebte in einer scheinwelt, in der ich mich insgeheim dazu verdammt fühlte, aus der welt zu verschwinden, da ich die harmonie gefährden würde.

und nun??

bin ich psychisch ein wrack und weiß weder ein noch aus.

die stille und die einsamkeit überfällt mich, nach einem streit am telefon mit meiner mutter, erneut, in meinen eigenen 4 wänden.

geographisch auszubrechen bringt wohl nicht das versprochene frei sein, sondern nur distanz. und so bin ich immer noch gefangen in der familientragödie und in meinem abartigen selbstbild.

22.2.08 20:55, kommentieren

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Perspektivenlose Scheinwelt

Die Befreiung aus dem Plantagehäuschen kann man sich vorgaukeln, oder wirklich vollbringen.

Ich habe letzteres gewählt, aber ersteres fälschlicherweise durchgeführt.

In dem Moment, als ich wählte, erschien mir eine regenbogenfarbene Welt voll von Sonnenlicht vor Augen, so verlockend und vielversprechend, dass es sich, alles auf mich nehmend, als erstrebenswert darstellte. Also ging ich einen Schritt Richtung Grenze, und dann noch einen - voller heißer Erwartungen, jedoch ohne sichtlichen Erfolg, bis ich gegen eine Wand stieß, von der ich bis zu meinem Ausgangspunkt zurückprallte. Voller Wunden lag ich da, unfähig - zumindest für den Moment - auch nur einen Schritt weiterhin zu tätigen.

Der Regenbogen leuchtete in meinen Imaginationen hell wie eh und je. Und ich wollte Besitz ergreifen. Schnuppern, Regenbogenluft spüren. Der Wunsch, mit jedem Gedankengang an ihn, brannte immer auflodernder in meinem Herzen. Ich musste mir einen Weg suchen.

Plantagehäuschen umschirmen eine eigene Welt, die die Wärme der Außenwelt aufsaugt, die GEfahren und Unbeständigkeiten jedoch abprellt. Solange ich mich darin befand, war ich mir meinem Schutz sicher, wusste, nie von Wind und Wetter jemals in Mitleidenschaft gezogen werden zu können. Ich sog das Sonnenlicht, das sich durch die klaren Wände hineinbahnte, in mich auf.

Und plötzlich wusste ich, was zu tun war. Ich baute mir meine eigene Regenbogenwelt zusammen. Die Erkenntnis fällt schwer. Ich lebte in meiner eigens erbauten Scheinwelt und bildete mir dahinter die schillernde Natur ein.

Werde ich noch einmal die Kraft haben, aufzustehen und weitere nötige Schritte zu gehen?

11.2.08 22:45, kommentieren

16.01.08 - Alltagsgeschwafel

Das Semester ist so gut wie zuende. Meine Leistungen nicht hervorragend, aber im akzeptablen Bereich.

Dennoch drängt sich mir der Gedanke auf, dass ich hätte viel mehr tun können, dass ich ein Versager ohnegleichen bin.

Hinzu kommt die verdammte Sache mit dem Ftinessstudio. Ein schuldenberg von über 700 Euro, den ich auf 480 Euro heruntergehandelt habe. gut, aber nicht gut genug, wie es immer ist bei mir...

Der perfektionistische Drang, aber die Unfähigkeit diese zu realisieren. Die Ohnmacht gegenüber mein Leben, die Unsicherheit und das fehlende Glück, das ein tiefes Loch in mein Leben reißt, all das macht mir in diesen Tagen zu schaffen.

Die Erkältung verfolgt mich seit diesem Wochenende und ist nicht dabei, abzuklingen. ein Weißheitszahn muss gezogen werden. Ich muss 100 Euro im Monat sparen, um wenigstens ein Klein bisschen reserven zu haben. und außerdem schwebe ich mit beiden füßen in der Luft, weiß weder ein, noch aus.

All die Pflichten, von denen ich mich erlösen muss, vor denen ich mich erneut in die kackverdammte Essstörung flüchte. Wo ich genau weiß, dass sowohl Magersucht, als auch Bulimie mein Leben wohl letzten Endes zerstören werden.

Ich vermisse den Halt meiner Familie. vermisse den liebevollen Vater, der zu einem Geldgeilen Geizhals mutiert ist und sich mit seiner Ische vergnügt. vermisse Emotionen, zu lachen und zu weinen, wegen banalen sachen und nicht aus Unsinnigkeiten des Lebens.

Denn das Leben an sich sollte nicht für unsinnig gehalten werden.

16.1.08 18:48, kommentieren

Fehler

Ein Fehler ist stets, zu denken, alles würde problemlos laufen, und nichts sei zu befürchten.

Ein Fehler besteht darin, sich sellbst im sicheren Bereich zu sehen, ohne die lauernden Gefahren in der unmittelbar kommenden Zeit zu beachten.

Nicht wertzuschätzen, was man hat. sondern zu weinen, wenn man es einmal verloren hat. und dem nachzuweinen, was bereits in weiter ferne verschwunden ist, und nicht an dem einzig verbliebenen festzuhalten, sondern es auch fortziehen zu lassen, bisdann man schlussendlich allein und ohne HAbseligkeiten und Goldwerte dasteht.

Jenes zu verschreien, was am meisten wertzuschätzen sein sollte. Das zu verleugnen, was einen gegenüber die meiste Ehrlichkeit rüberbringt. Und zu hassen, was unabänderlich zu einem gehört.

Alles Fehler, die Konsequenztragend sind.

Fehler, aus denen ich nicht lerne. die ich nicht realisiere, und mir mein Herz blutig zerreißen.

1 Kommentar 16.1.08 17:43, kommentieren

23.12.07

ich halte es verdammte scheisse nochmal nicht mehr aus hier in dieser irrenfamilie...

jedes jahr das gleiche, ich hasse die welt und mich dazu. wuensche mir, nicht zu existieren. bin ueberfluessig und viel zu gesund...

23.12.07 14:59, kommentieren

19.12.07

Die tage sind gezählt, bis das jahr vorüber ist.

nachdem sich meine mutter im flugdatum geirrt hat, fliege ich schon morgen. wie ich mich dabei fühle, ist ungewiss. und gerade diese ungewissheit ruft reaktionen in meiner psyche hervor, die sie sich bei zeiten der unsicherheit etabliert hat.

die ganze zeit schwebe ich, und das einzige, was mich nicht ins unendliche davon schwirren lässt, ist das essen. ein gewicht am fußgelenk, oder der boden unter meinen füßen? meine essstörung lässt mich wieder einmal verzagen...

die gedanken in meinem kopf sollte von pflichten gefüllt sein, die ich vor der abreise noch unbedingt zu erledigen habe. der schutzmechanismus jedoch sagt mir, dass nur das essen und die angst davor in einem entfremdeten land das wichtigste ist. ich male mir aus, wie es aussehen wird. was ich essen werde. und wie ich mit dem essen dort umgehen werde. seit langem bin ich nicht mehr beim essen kontrolliert worden - ich wohne ja auch allein, und hab es nicht mehr nötig. weil ich meinen körper seit geraumer zeit nicht mehr quäle und trieze.

ich möchte dünn sein, zerbrechlich. alle menschen sollen mir anerkennung schenken, wie ich meine schweren einkaufstüten schleppe, und meinen einsamen alltag meistere... dieser wunschgedanke, den ich eigentlich abgeschrieben habe.

naja, ich mach mich mal an die pflichten. die habe ich nämlich auf papier gebracht, damit ich nicht noch mehr versaue...

frohes fest im vorraus!!

19.12.07 12:03, kommentieren

17.12.07

Heute ist Montag, und in mir ist einiges im Ungleichgewicht.

Am Mittwoch wurde ein Weisheitszahn herausoperiert, welches sich als sehr heikel herausstellte, weil ich bis heute von schmerzen und fieber aufgrund der Entzündung geplagt bin.

Manchmal denke ich, dass mich das Leben besonders hart getroffen hat. werde depressiv, vor lauter Leistungswillen aber Leistungsunfähigkeit. Diese Spanne zwischen beiden stellt eine herrliche Leere dar, die meine Seele strapaziert.

ICh habe seit tagen nicht mehr aktiv und produktiv für die Schule lernen können - und das, obwohl gleich eine Klausur ansteht, sowie morgen auch. Mit dem Lernstoff fühle ich mich gerade überfordert, und mein Leistungszwang zwingt mich, zu verzweifeln. aber ich weiß ja, aus erfahrung, dass jede heikle Situation überwunden werden kann, und das mit dem Vergehen der Zeit sich alles wenden und drehen kann, auf beliebige Weise, und man selber hat das Schicksal in der Hand.

Nun...da ich ja krank bin, habe ich und werde ich auch, genießen, sich einfach in den weichen Boden sacken zu lassen, und mich vom Leben führen zu lassen, nicht andersherum.

Erneut fühle ich mich wie ein kleines mädchen, all der verantwortung und Lebenspflichten entleichtert. aber ich kann nicht freihals lachen. weil der Zwang mich beherrscht, oder gewisse andere Aspekte im Leben mein Zwangsverhalten, Perfektionismus am Leben halten und nähren... und so bin ich zu schwach, um aktiv dagegen anzukämpfen.

Habe viel an Tiefe verloren. all die vorigen Texte kommen mir so fern und wie von fremder Hand geschrieben vor - ich fühle mich unwahrscheinlich flach und oberflächlich momentan.... wie soll ich auf Gefühle im allgemeinen eingehen, wenn ich meine eigenen noch nicht einmal zu bewältigen weiß?!

Nur noch 5 Tage bis zu meiner Abreise nach Peking, wo ich die gesamten Weihnachtsferien verbringen werde.  was mich dort erwartet ist auch ungewiss...all die traumatischen Ereignisse von meiner tragischen Familie, das Zerbrechen und Unmut, der Beginn meiner Essstörungskarriere - all das.

Aber ich bin dennoch froh, auch dort ein wenig verantwortung abgeben zu können. das erste mal seit monaten mit einem meiner eltern zusammen zu wohnen, und mir den Tag von ihnen vorleben zu lassen. eine Existenzpause, die mir Kraft schenken soll, eigenständigkeit und Eigenverantwortung  weiterhin und für alle Ewigkeit zu übernehmen.

allen schonmal ein Frohes Fest!!

1 Kommentar 17.12.07 11:42, kommentieren



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